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Im Mittelpunkt steht die Förderung und Erhaltung vorhandener Fähigkeiten und Stärken, die das Wohlbefinden und die Selbständigkeit verbessern und zu einer höheren Lebensqualität beitragen.

Es geht nicht nur um die Pflege im klassischen Sinn, sondern um die Begleitung und Betreuung dieser Menschen in ihrer konkreten Lebenssituation

Kreative, körper- und sinnesbezogene Kommunikations- und Interaktionsformen, sowie ein strukturierter Tagesablauf sind die wichtigsten Bausteine um „Brücken“ zur Welt unserer Bewohner zu bauen

Ein anderes Menschenbild

"Aus dem "Demenzkranken" wird der Mensch mit Demenz. Er stellt keine ausgelöschte, sondern eine einzigartige Persönlichkeit mit dem Bedürfnis nach Liebe, Trost und Einbindung, sinnvoller Betätigung und Identität dar. Er verfügt über eine hohe körperliche, emotionale und sinnliche Lebensqualität und entzieht sich als Individuum schematisierten Kategorisierungsversuchen.

Ein feiner Mensch bis zum Schluss

"Es begann nach dem Tod meines Vaters. Danach hat sie sich nicht mehr im Leben zurechtfinden können. Sie hat nicht einfach so kapituliert. Bis zum Schluss hat sie ihr bestes getan, um dabei zu bleiben. Wenn sie jemandes Namen vergessen hatte, dann saß sie später da und wiederholte ihn; das sah man an ihren Lippen. Eines Tages sagte sie: "Wo warst du denn. Durch diese Tor ist schon seit einer Woche niemand mehr gekommen" - obwohl ich noch am selben Morgen bei ihr gewesen bin.
Die Nachbarn klingelten an der Tür, weil sie auf der Straße herumlief, mitten im Winter ohne Jacke mit einer Tasche, mit Unterwäsche und Apfelsinen am Arm. Wir haben sie danach zu uns geholt. Nachts stand sie auf, um die Kinder zu suchen. Es musste wieder ein Gitter an die Treppe, genau wie früher, als die Kinder noch klein waren. An einem Abend kam sie herunter und sagte sehr erstaunt: "He, habt ihr einen Garten?" Als wir sagten: "Ja, den haben wir uns heute Nacht gestrickt' da musste sie auch lachen. Wir konnten noch zu jeder Zeit Spaß mit ihr machen. Ich habe sie Berge von Strümpfen stopfen lassen. Dann war sie beschäftigt und es tat ihr gut, dass sie auf diese Weise etwas für uns tat. Wir haben sie damals noch zu einem Familientreffen mitgenommen. Sie fühlte sich herrlich zwischen all den Leuten. Sie fragte jeden einzelnen: "Wissen sie vielleicht, wer hier heute heiratet". In dieser Periode hat sie ein Schutzschild fallen lassen. Sie wurde viel spontaner und zugänglicher.
Mit der Zeit brauchte sie immer mehr Sorge. Sie lief fort und wurde inkontinent. Zum Schluss war ich nur noch mit ihr beschäftigt. Tag und Nacht. Ich wurde todmüde und ich träumte, dass ich ein Kissen in ihr Gesicht drücke, damit sie still ist. Schweißgebadet wurde ich wach. Ich ging zu ihrem Schlafzimmer. Sie lag totenstill im Bett. Ich begann zu zweifeln, ob ich tatsächlich nur geträumt hatte. Als sie ihre Augen öffnete, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich konnte nicht mehr.
Nicht lange danach wurde sie in ein Pflegeheim aufgenommen. Obwohl ich es nicht mehr schaffte und wusste, dass meine Familie dabei draufging, konnte ich es nicht akzeptieren. Ich wollte selbst für sie sorgen. Ich habe meinen Mann und meine Kinder in dieser Zeit verwünscht. Es muss schon sehr viel geschehen, bevor du deine Mutter in ein Pflegeheim bringst. Ich hatte das Gefühl, sie verraten zu haben. Ich höre sie noch schreien: "Nimm mich mit, lass mich doch nicht im Stich." Wenn ich im Pflegeheim zu Besuch gewesen bin und nach Hause kam, dann war ich zornig, weil sie vor dem Fernseher saßen und Spaß hatten, während meine Mutter im Pflegeheim saß. Meine Mutter ist bis zum Schluss ein feiner Mensch geblieben. Die guten Eigenschaften ihres Charakters verstärkten sich. Sie wurde noch lieber und fürsorglicher. Im letzten Jahr waren die Rollen vollständig vertauscht. Ich wurde zur Mutter und sie zum Kind. Sie lachte weiterhin lieb, sprach aber immer weniger. Wir bekamen eine andere Verbindung. Ich begann Kinderlieder mit ihr zu singen und liebkoste und streichelte sie immer mehr.
Als sie starb, hörte ich oft: "Ach 83 Jahre und dement, da hat doch niemand mehr was von." Als ob es nicht die eigene Mutter gewesen wäre. Darüber konnte ich verteufelt wütend werden. Ich habe sehr wohl noch etwas an ihr gehabt. Ich konnte für sie sorgen und lieb zu ihr sein, Was geschehen ist, habe ich nicht erwartet, aber unter den gegebenen Umständen sind es gute Jahre gewesen.'